Wir brechen gegen halb elf auf und fahren von Aït-Ben-Haddou zurück auf die N8. Heute überqueren wir den Hohen Atlas über den Pass Tizi n’Tchika auf 2.260 Meter. Auf dieser Höhe kann im Januar gerne auch mal Schnee fallen, was je nach Intensität zu einer stunden- oder auch tageweisen Sperrung der Strecke führt. Das bereitgestellte schwere Schneeräumgerät steht mahnend am Straßenrand; und auch die gesetzten Schneepfosten lassen erahnen, wie Schneeverwehungen den Straßenverlauf verschwinden lassen.
Heute jedoch nicht! Strahlender Sonnenschein begleitet uns bergauf und auch wieder bergab. Von Niederschlag ist weit und breit keine Spur, so dass wir eine klasse Sicht auf das Panorama mit einigen Gipfeln des Hohen Atlas haben. Und als wir die höheren Lagen verlassen und dem Großraum Marrakech näher kommen, steigt auch die Temperatur noch spürbar an. In den kommenden Tagen erwarten uns Sonnenschein und 26-28 Grad. 🙂
Als Stellplatz wählen wir hier eine besondere Location 10 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Marrakesch: Die deutsch-marokkanische Familie Schatz (Reinhard und Aicha), haben sich vor den Toren der Stadt ein kleines Schloss gebaut, in dem sie jedes Jahr 6 Monate leben und Touristen unterbringen, die Marokko authentisch mit Familienanschluss kennenlernen wollen. Und als begeisterte Wohnmobilisten haben Sie auf Ihrem Anwesen – neben Pool, Tennisplatz, Minigolf, Biotop, Teich – auch noch einen Stellplatz für bis zu 10 Wohnmobile gebaut. Inbegriffen sind saubere Sanitäranlagen, in „deutscher“ Qualität, täglicher Bot-Service und sehr nette Schlossherren, mit denen man sich herrlich über Land und Leute unterhalten kann.
Mehr Information und vor allem Bilder findet man unter www.marokko-reisen.de – interessant auch für Urlauber, die Marokko ohne Wohnmobil erleben möchten.
Den Stellplatz gibt es erst seit letztem Jahr. Dementsprechend ist nicht viel los. Unsere einzigen „Nachbarn“ sind die Allradnomaden Thomas und Ute (http://allradnomaden.jimdo.com/ ), die mittlerweile seit einem Jahr unterwegs sind und sich in einem Steyr ihrer Reiselust hingeben.
Wir stehen vier Nächte bei Reinhard und Aicha und genießen in erster Linie die heißen Temperaturen, bevor unsere Route dann wieder in den kühleren Norden und nach Europa führen wird. Trotzdem besuchen wir natürlich auch die Medina von Marrakech. Mit dem Roller  fahren wir in 25 Minuten ins Zentrum und finden nach 2 „Orientierungsrunden“ auch jemanden, der für 10 Dirham den geparkten Roller „bewacht“.
Dann tauchen wir für ein paar Stunden in den Trubel ein und besuchen einige der touristischen Highlights:
  • Koutoubia Moschee (neben der wir geparkt haben): Leider kann man diese Mosche als Nicht-Moslem nur von außen bewundern. Aber angeblich ist der Innenraum ohnehin nicht weiter dekoriert, um den Gläubigen die volle Konzentration auf das Gebet zu erleichtern.
  • Djemaa el-Fna (= der Platz der Gehenkten): Dieser Platz war – für uns zumindest – das bekannteste Wahrzeichen Marrakechs. Wir sind am frühen Nachmittag und dann nochmal am späten Nachmittag dort und sind ein klein wenig enttäuscht. Es herrscht zwar zunehmend reges Treiben. Aber im Wesentlichen sind die Buden und „Schausteller“ auf Touristen-Fang aus. 50 Henna-Frauen, 10 Schlangenbeschwörer, 5 dressierte Affen und massenhaft Gefälschte-Waren-Händler. Ursprüngliche Atmosphäre kann man nur bedingt erkennen. – Abends und nachts soll das dann aber tatsächlich anders sein, wenn überwiegend Einheimische die Garküchen und sonstigen Stände bevölkern.
  • Souk: Wir bahnen uns einen Weg durch den Souk; genau genommen streifen wir ihn wahrscheinlich nur. Denn der Souk ist riesig und wir wählen einfach einen Weg durch die Mitte. Immerhin schaffen wir es ohne Verlaufen und müssen keinen „Führer“ anheuern, der uns für einen Wucherpreis ins Freie führt. Die Teile des Souks, die wir sehen, gefallen uns gut. Es ist bunt und wirkt verhältnismäßig gepflegt. Überraschenderweise sind die Händler recht träge und wir werden kaum angesprochen – und wenn, dann keinesfalls aggressiv oder aufdringlich.
  • Medersa Ben Youssef: das ist eine alte Koranschule aus dem 16. Jahrhundert, in der man einen Eindruck davon bekommt, wie die Schüler früher gelebt haben, um sich auf das Studium zu konzentrieren.
  • Marrakech Museum: ein kleines Museum, das in einem schön restaurierten Stadtpalast aufgebaut wurde.

Weitere Sehenswürdigkeiten heben wir uns für den nächsten Besuch auf, um unsere Aufnahmekapazität nicht völlig zu erschöpfen … 😉