Brügge, Belgien

Da Belgien als Durchfahrtsland geplant ist, haben wir uns nur einen Stopp ausgesucht: Brügge liegt direkt an unserer Strecke und soll sehr sehenswert sein.
Wir finden einen Stellplatz, der direkt (und trotzdem recht ruhig) am Stadtring liegt, so dass wir nur 10 Minuten zu Fuß in die Innenstadt und zu vielen Sehenswürdigkeiten laufen müssen.
Brügge ist die Hauptstadt von Westflandern und im Jahr 2002 wurde der Stadtkern von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Die Stadt blieb in der Vergangenheit von Kriegen und größeren Bränden verschont, und so wird das Zentrum von einem mittelalterlichen Stadtbild mit wunderschönen historischen Gebäuden beherrscht.
Auch in dieser Stadt suchen wir nach einer Free Walking Tour und werden fündig. Um 9:45 Uhr soll sie am Hauptplatz (Grote Markt) starten, die vielversprechende Legends-of-Bruges-Tour. Natürlich sind wir pünktlich am Treffpunkt und gesellen uns dort zu einigen andere Touristen, die bereits warten. Aber leider vergebens! Auch nach 25 Minuten Wartezeit ist immer noch kein Führer in Sicht. Der Versuch der telefonischen Kontaktaufnahme scheitert ebenfalls. Wir entschließen uns dann, nicht länger zu warten. In der Tourist-Info holen wir uns einen Stadtplan, auf dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erklärt sind und ziehen auf eigene Faust los. Weit kommen wir allerdings nicht. Es fällt uns nämlich schwer, an den zahlreichen Konfiserien vorbei zu kommen, ohne kurz einen Blick hinein zu werfen. OK, es bleibt nicht immer nur bei einem Blick, aber die Auswahl ist eben so verführerisch, da können wir nicht widerstehen.
Nach einer süßen Stärkung geht es weiter zu den Grachten. Und wir machen auch eine kleine Rundfahrt durch die Kanäle von Brügge. Vom Boot aus haben wir einen tollen Blick und bekommen zudem noch ein paar Details erklärt. Im Anschluss müssen wir uns natürlich gleich wieder stärken. (Bootfahren ist sehr kräftezehrend!) Es wird eingekehrt und – typisch belgisch – ein riesiger Topf Miesmuscheln und ein flämischer Rindfleischeintopf verspeist. Mittlerweile haben wir auch eine alternative Stadtführung ausfindig gemacht und gehen jetzt am Nachmittag zum Treffpunkt der Can-You-Handle-It? Tour. Der Name hätte uns eine Warnung sein sollen …
Der „Stadtführer“ hatte wohl einen Clown zum Frühstück oder ein paar Bier zu Mittag. Oder beides. Sinnvolle Informationen waren jedenfalls nicht dabei. Wir laufen zwar zwei Stunden durch die Stadt und kommen (zwangsweise) auch an ein paar Sehenswürdigkeiten vorbei, aber leider erhalten wir so gut wie keine Infos darüber. Wir wollen aber nicht unhöflich sein und halten durch! Als wir dann aber noch (ohne wesentliche Erläuterungen) durch das Biermuseum gejagt werden, um in der Probierstube kostenpflichtige Bierproben zu konsumieren, verabschieden wir uns dann doch vorzeitig und suchen das Weite. Im Nachhinein lesen wir genauer, wie die Tour im Internet beschrieben wird: „Don’t expect an ordinary, umbrella- holding walking tour, no way! We’re out to make your tour as silly as possible!“ Alles klaro!!!
Somit haben wir jetzt also unsere erste Negativ-Erfahrung mit den Free Walking Tours gemacht. Kann halt mal passieren. In der nächsten Stadt starten wir trotzdem den nächsten Versuch!
Obwohl wir nur wenig über die Geschichte von Brügge erfahren haben, war die Stadt absolut sehenswert. Die gut erhaltenen Gebäude und die vielen Kanäle sind einfach wunderschön. Der Stadtkern wird allerdings fast nur von Touristen bevölkert. Auf ungefähr 20.000 Einheimische (im Zentrum) kommen jährlich in etwa 6,5 Millionen Touristen. Wir fanden es heute schon ziemlich voll, obwohl man uns sagt, dass es momentan noch recht ruhig wäre.
Brügge ist also unbedingt einen Besuch wert, aber definitiv außerhalb der Saison!